Der Hautfacharzt stellt die Diagnose

So wird eine Berufserkrankung der Haut dingfest gemacht

BERLIN – Im Zentrum der diagnostischen Maßnahmen steht die Erhebung der Vorgeschichte einer Hautveränderung (Anamnese), insbesondere bezogen auf den Arbeitsplatz. Zu klären ist, ob die beruflichen Einwirkungen grundsätzlich geeignet sind, eine Berufsdermatose zu verursachen. Unter Umständen wird der Präventionsdienst der Berufsgenossenschaft hinzugezogen. Zur diagnostischen Einordnung der Hautveränderungen liefern nicht selten bereits das Hautbild sowie die Angaben zum Verlauf der Hauterkrankung (Besserung am Wochenende, im Urlaub?) die entscheidenden Hinweise.



Die Diagnostik einer Typ-IV-Sensibilisierung erfolgt mittels Epikutantest durch den Hautfacharzt. Im deutschsprachigen Raum ist die Epikutantestung weitestgehend standardisiert; zugrunde zu legen sind die Empfehlungen der Deutschen Kontaktallergie Gruppe (DKG).

In der Regel ist der Rücken das Testareal. Die Allergenexposition soll 24 oder 48 Stunden betragen. Die Ablesung des Tests muß einmal nach Abnahme des Testpflasters und zusätzlich mindestens 72 Stunden nach Anlegen des Testes erfolgen. Darüber hinaus sind spätere Ablesungen zu empfehlen, wenn die Testreaktion nicht sicher eingeordnet werden kann.

Typisch für die allergische Reaktion in der Epikutantestung sind ein Anstieg der Teststärke bis zur 72-Stunden-Ablesung (so genannte Crescendo-Reaktion) oder ein „Plateau-Muster“. Reaktionen mit einem Decrescendo-Verlauf bzw. auch relativ scharfer Abgrenzung auf das Testfeld sprechen eher für eine irritative Reaktion.
 
Eine Epikutantestung ist in der Regel nicht angezeigt bei noch bestehenden akuten Ekzemen, nach zuvor erfolgter UV-Bestrahlung des Testareals bzw. unter systemischer Immunsuppression. Nicht selten ist die Durchführung von Epikutantestungen zum Zeitpunkt der Erstkonsultation nicht sinnvoll, wenn noch ausgeprägte floride Hautveränderungen vorliegen. Die erforderlichen Testungen sollten in diesen Fällen nach Besserung des Hautbefundes, ggf. nach Einleitung therapeutischer Maßnahmen, erfolgen.

Nachgewiesene Sensibilisierungen sind unbedingt unter Berücksichtigung der zuvor vorliegenden ekzematösen Hautveränderungen, der Exposition und des Verlaufes der Hauterkrankung auf ihre klinische Relevanz zu überprüfen (Cave: Nicht jede positive Testreaktion steht im kausalen Zusammenhang zur vorliegenden Dermatose!).

Typ-I-Allergie-Diagnostik
Eine Typ-I-Allergie-Diagnostik ist indiziert bei Verdacht auf das Vorliegen einer berufsbedingten (allergischen) Kontakturtikaria (z.B. einer Latexallergie) sowie zur Erhärtung des möglichen Vorliegens einer atopischen Disposition. Zur Verfügung stehen Prick-, Scratch- und Reibtestungen sowie die Bestimmung spezifischer zirkulierender IgE-Antikörper im Serum. Es ist zu berücksichtigen, dass bei der Typ-I-Allergie-Diagnostik die Möglichkeiten der notfallmäßigen Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion gegeben sein müssen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass negative bzw. normwertige Testergebnisse das Vorliegen einer atopischen (Haut-)Disposition nicht ausschließen.

Hautphysiologie
Moderne hautphysiologische Messverfahren bieten die einzigartige Möglichkeit einer objektiven Überprüfung der Irritationswirkung von Arbeitsstoffen und schützenden Wirkungen von Hautschutzmaßnahmen in hautbelastenden Berufen. Auf der Basis des über viele Jahrzehnte nicht allgemein gültig standardisiert verwendeten Alkaliresistenztestes wurden in den letzten Jahren zunehmend defizilere und die Patienten de facto nicht belastende hautphysiologische Untersuchungsverfahren, z.B. zur Beurteilung einer anlagebedingt erhöhten Hautempfindlichkeit oder etwaiger verbliebener berufsbedingter irritativer Schädigung des Hautorganes, entwickelt (differentieller Irritationstest).