Berufserkrankungen der Haut

Anerkennung ist in der Berufskrankheitenverordnung geregelt

BERLIN – Berufsdermatosen sind Hauterkrankungen, die durch berufliche Einflüsse oder Tätigkeiten verursacht werden. Die erste beschriebene Berufskrankheit war mit dem Skrotalkrebs der Schornsteinfeger durch Pott 1775 eine Hautkrankheit.


Seit dem 19. Jahrhundert wurden dann zunehmend Hauterkrankungen in Zusammenhang mit verschiedenen Tätigkeiten beschrieben wie z.B. die „Bäckerkrätze“, „Maurerkrätze“, „Gewürzkrämerkrätze“, chronische Ekzeme bei Wäscherinnen sowie auch – bedingt durch den Einzug der Antisepsis in die Medizin- das „Ekzem der Chirurgen“ (Skudlik 2002).

Berufsbedingte Hauterkrankungen sind seit Jahren zahlenmäßig der Spitzenreiter unter den Berufskrankheiten. Mehr als ein Viertel aller an die zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldeten Berufskrankheiten/Verdachtsfälle beziehen sich auf Berufsdermatosen. So wurden im Jahr 2004 insgesamt 14.778 Verdachtsanzeigen für eine berufsbedingte Hauterkrankung an die Unfallversicherungsträger erstattet.
 
Der permanente Kontakt mit Teig kann zu einer zunehmend heftigeren Reaktion der Haut führen. Die "Bäckerkrätze" ist ein Klassiker der berufsbedingten Hauterkrankungen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die in der Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV) vom 31.10.1997 aufgeführte Berufskrankheitenliste beinhaltet zwei spezielle Tatbestände für Berufsdermatosen. 
Unter der BK Nr. 5101 heißt es:
“Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können“

Unter der BK Nr. 5102:
„Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe“

Darüber hinaus führen die einschlägigen Bestimmungen weitere Berufsdermatosen auf:
BK Nr. 1108: Krankheiten durch Arsen oder Arsenverbindunge
BK Nr. 1302: Erkrankung durch Halogenkohlenwasserstoffe
BK Nr. 1310: Erkrankungen durch halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylaryloxide, BK Nr. 2402: Krankheiten durch ionisierende Strahlen
BK Nr. 3101: Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig ist oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maß besonders ausgesetzt war.
BK Nr. 3102: Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten
BK Nr. 3104: Tropenkrankheiten, Fleckfieber (Skudlik 2002).

Aktuell wird zunehmend auch die Anerkennung der durch UV-Licht beruflich ausgelösten Hautkrebserkrankungen als Berufserkrankungen gefordert. Solange diese Tatbestände jedoch nicht in die Berufskrankheitenliste aufgenommen sind, ist eine Anerkennung nach der sog. „Öffnungsklausel“ (§9 Abs. 2 SGB VII) möglich.

Bedingt durch oft zu beobachtende therapeutische Hartnäckigkeit und hiermit einhergehend längerer Arbeitsunfähigkeitszeiten sind die volkswirtschaftlichen Folgekosten von Berufsdermatosen durch Arbeitsausfall und Produktivitätsrückgang in den Betrieben erheblich, sie werden auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt (Diepgen 2006, John 2006).

Darüber hinausgehend ergeben sich nicht selten für den Einzelnen erhebliche negative Auswirkungen: So kann die konkrete Gefahr der Berufsaufgabe und des Arbeitsplatzverlustes eine akute Bedrohung der Existenzgrundlage darstellen. Zudem ist vielfach bei älteren Betroffenen und vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation die Aufnahme einer neuen beruflichen Tätigkeit nicht realisierbar, während bei jüngeren Arbeitnehmern aus einer schweren, berufsbedingten Hauterkrankung die Aufgabe des Traumberufes resultieren kann mit der Folge einer Umschulung in einen Beruf, der den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten nicht entspricht.
 
Literatur zum Thema:
 
Adisesh A, Meyer JD, Cherry NM. Prognosis and work absence due to occupational contact dermatitis. Contact Dermatitis 2002; 46:273-9. 
Abstract: http://amedeo.com/lit.php?id=12084080
Diepgen TL. The costs of skin disease. Eur J Dermatol 2006; 16:456-60.
Abstract: http://amedeo.com/lit.php?id=16935820

John SM, Skudlik C. Neue Versorgungsformen in der Dermatologie: Vernetzte stationär-ambulante Prävention von schweren Berufsdermatosen – Eckpunkte für eine funktionierende integrierte Versorgung in Klinik und Praxis. [New forms of management in dermatology. Integrated in-patient-out-patient prevention of severe occupational dermatoses: cornerstones for an effective integrated management in clinics and practices] Gesundheitswesen 2006; 68: 769-74. Abstract: http://amedeo.com/lit.php?id=17203451

Skudlik C, Schwanitz HJ. Berufskrankheiten der Haut. Trauma Berufskrankh 2002; 4:151-62.