Wenn der Beruf Hautkrebs macht

Die neue Berufskrankheit 5103

BERLIN – Unsere Haut schützt uns vor intensiver UV-Strahlung und anderen schädlichen Umwelteinflüssen. Doch auch sie benötigt Erholung. Wenn wir unser UV-Belastungskonto überziehen, versagt der natürliche Reparaturmechanismus der Haut, der dafür sorgt, dass Lichtschäden rasch wieder repariert werden.


Wer häufig und über längere Zeit im Freien arbeitet, der ist mehr als andere gefährdet. Das gilt für Straßenbauarbeiter, Landwirte, Bauarbeiter, Weinbauern, Seeleute, Skilehrer, Wanderführer und viele andere Berufe gleichermaßen. Immer häufiger werden Hautkrebserkrankungen als berufsbedingt anerkannt ...

Wir mögen uns an manches nicht mehr erinnern, aber unsere Haut kann nicht vergessen, auch nicht die Lichtschäden, die im Laufe unseres Berufslebens entstanden sind.

Der Beruf kann bei regelmäßiger Tätigkeit im Freien verräterische Spuren auf unserer Haut hinterlassen: aktinische Keratosen zum Beispiel, eine Frühform von hellem Hautkrebs. Auslöser ist die natürliche UV-Strahlung der Sonne.

Die Rate der jährlichen Neuerkrankungen lag zuletzt allein in Deutschland bei rund 195.000 jährlich, wie dazu das Competenzzentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie berichtet.

Nicht jeder Hautkrebns wird als berufsbedingt anerkannt
Das Plattenepithelkarzinom und seine Frühformen – die aktinischen Keratosen – sowie die Bowen-Karzinome der Haut können als Berufskrankheit (BK 5103) anerkannt werden: aktinische Keratosen, wenn sie mit einer Zahl von mehr als fünf pro Jahr vereinzelt auftreten oder ein flächiges Hautareal größer als 4 cm² betroffen ist (Feldkanzerisierung).


Die ersten Anzeichen sind unscheinbar: die aktinische Keratose zeigt
sich zunächst lediglich in Form von einigen wenigen roten Flecken auf der Stirn.

 

Aktinische Keratose
Typischerweise an den Sonnenterrassen des Gesichts entstehen kleine evtl. leicht gerötete derbe Hautschuppen. Man fühlt beim Darüberstreichen über diese „Lichtschwielen“ mehr als man sieht. Dies ist die früheste Form eines Plattenepithelkarzinoms. Unbehandelt entwickelt sich hieraus oft ein tiefes Plattenepithelkarzinom.

Morbus Bowen
Der Morbus Bowen bildet münzförmige, einzeln stehende gerötete Herde mit schuppender oder schuppend-krustiger, seltener samtartig geröteter Oberfläche, die einem Ekzem oder einer Schuppenflechte ähneln. Der M. Bowen ist feingeweblich engstens verwandt mit aktinischen Keratosen und teilt ihre ungünstige Prognose.

Plattenepithelkarzinom
Das Plattenepithelkarzinom ist der zweithäufigste Hautkrebs überhaupt. Der Tumor entwickelt sich in erster Linie auf schwer lichtgeschädigter Haut bei bereits vorhandenen Krebsvorstufen in den sogenannten Epithelzellen der Haut. Diese Form des hellen Hautkrebs‘ zeigt den direktesten Zusammenhang zwischen langanhaltender regelmäßiger Sonnenbestrahlung, die für Außenbeschäftigte so typisch ist, und einer Tumorerkrankung. Es zeigen sich hautfarbene Schuppenkrusten und Verhornungen, vielfach mit Einblutungen und umgebender Rötung und in der Folge Gewebszerstörung und geschwürartiger Zerfall.


Kein entzündeter Pickel, sondern ein Plattenepithelkarzinom am
Ohrsaum, der so früh wie möglich entfernt werden sollte!
Auf den
"Sonnentreassen" am Kopf und Oberkörper entsteht
Hautkrebs besonders häufig.


Die häufig vorkommenden Basalzellkarzinome, die als besonders aggressiv wachsend bekannten Formen des malignen Melanoms und andere seltene Formen des Hautkrebses werden von der BK 5103 nicht erfasst; der berufliche Zusammenhang ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Ohne Einverständnis des Patienten keine Meldung – ohne Meldung keine Leistung
Mit der Neufassung der Berufskrankheitenverordnung ist jeder Arzt gesetzlich verpflichtet, – das Einverständnis des Betroffenen vorausgesetzt – bei begründetem Verdacht auf eine BK 5103 eine sog. Berufskrankheitenanzeige an den zuständigen Unfallversicherungsträger oder den gewerbeärztlichen Dienst zu machen. Eine solche Mitteilung ist Voraussetzung für Leistungen der Unfallversicherung. Sie kann im übrigen selbst dann noch erfolgen – wenn die Erkrankung erst nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben mitgeteilt wird.

Die Unfallversicherung trägt die Leistungen und koordiniert das weitere Vorgehen.

Zur Hautkrebsfrüherkennung zum Hautarzt
Hautärzte können die Geschichte Ihrer Haut lesen und unbedenkliche Veränderungen von behandlungsbedürftigen Hautproblemen sicher unterscheiden. Sie kennen eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsmöglichkeiten und beraten über den optimalen Lichtschutz.

Denken Sie daran: es ist niemals zu früh für die Hautkrebsvorsorge in der Hautarztpraxis Ihres Vertrauens.Ihr Text