Ekzeme können vielfältige Auslöser haben

Formen und Ursachen berufsbedingter Hauterkrankungen

BERLIN – Klinisch zeigen sich berufsbedingte Hauterkrankungen in über 90 % der Fälle als an den Händen lokalisierte Kontaktekzeme. In der Regel setzen irritative und allergische Einwirkungen das Krankheitsgeschehen in Gang, wobei Mischformen häufig sind und zusätzlich nicht selten auch eine Veranlagung vorliegt.


Auslösende Faktoren von Kontaktekzemen können sowohl im beruflichen (Tabelle 1, Tabelle 2) als auch im privaten Umfeld sowie in der natürlichen Umwelt des Menschen vorkommen. Die Diagnostik bei Berufsdermatosen erfordert nicht selten ein "kriminalistisches" Vorgehen und stellt die Grundlage einer erfolgreichen Prävention dar.

Toxisches Kontaktekzem
Toxische Kontaktekzeme treten exakt im Kontaktareal auf. Es wird zwischen akut-toxischen (z.B. durch das Einwirken von Säuren oder Laugen auf das Hautorgan) und kumulativ-subtoxischen (z.B. durch die immer wiederkehrende Einwirkung von Seife und Nässe beim Händewaschen) Kontaktekzemen unterschieden.
 
Lacke und Lösungsmittel können ein toxisches Kontaktekzem auslösen.
 
 
 
 
 
 
 
 
Während akut-toxische Einwirkungen zwangsläufig zum Auftreten einer endzündlichen Hautveränderung (Kontaktdermatitis) führen, ist zur Entwicklung und Aufrechterhaltung eines kumulativ-subtoxischen Kontaktekzems die wiederholte bzw. andauernde Einwirkung von in der Regel nicht zwangsläufig giftigen Schadstoffen über einen längeren Zeitraum nötig.
 
Diese Einwirkungen führen schrittweise zu einer Minderung der Hornschichtbarrierefunktion, so dass durch das Eindringen von hautschädigenden Substanzen in tiefere Hautschichten entzündliche Prozesse ausgelöst werden.
 
Häufig sind relativ scharfe Einzelherde mit Rötung, Schuppung und Bläschen die Folge (Abbildung 1). Bei Feuchtarbeiten manifestiert sich das kumulativ-subtoxische Kontaktekzem oft zunächst in den Fingerzwischenräumen.

Kumulativ-subtoxische Kontaktekzeme stellen die häufigste Ursache berufsbedingter Hauterkrankungen dar werden aber zum Teil als berufsbedingte Allergien verkannt. Aufgrund der hiermit einhergehenden Minderung der epidermalen Barrierefunktion kann diese Ekzemform jedoch sekundär aufgepfropften allergischen Kontaktekzemen Vorschub leisten (so genanntes 2-Phasen-Ekzem).
 

Allergisches Kontaktekzem
Das allergische Kontaktekzem ist pathogenetisch auf eine zellvermittelte Allergie vom Spättyp (Typ-IV-Reaktion) zurückzuführen, wobei sich die Typ-IV-Reaktion epidermal realisiert (Belsito 2005). Typisch ist bei berufsdermatologischen Fragestellungen das 2-Phasen-Ekzem: Dabei wird die Sensibilisierung auf dem Boden einer beeinträchtigten Hornschichtbarrierefunktion bei kumulativ-subtoxischem Handekzem konsekutiv aufgepfropft.
 
In Abhängigkeit von der immunogenen Potenz der Allergene und der Intensität der beruflichen Exposition können Sensibilisierungen jedoch auch bereits beim erstmaligen Kontakt induziert werden (z.B. durch Epoxidharze). Klinisch imponiert das allergische Kontaktekzem gegenüber dem kumulativ-subtoxischen Kontaktekzem nicht selten durch einen stärker entzündlichen Befund, teils mit Rötung, Infiltration und Blasenbildung im Kontaktareal und unscharfer Ausbreitungstendenz („Streuung“).
 
Bei besonders hochgradiger Sensibilisierung gegenüber luftgetragenen Allergenen kann als klinisch besonders schwere Erscheinungsbild ein aerogenes allergisches Kontaktekzem („Air-borne-Contact-Dermatitis“) resultieren. Eine weitere Variante ist die Photoallergie, bei der das Allergen durch photochemische Aktivierung (zumeist bedingt durch UVA-Licht) entsteht.

Atopisches Ekzem
Neben dem Kumulativ-subtoxische Kontaktekzeme und dem allergischen Kontaktekzem, die ausschließlich durchäußere Einflüsse bedingt sind, kann auch ein primär als anlagebedingte Erkrankung einzustufendes atopisches Ekzem berufsbedingt verursacht oder verschlimmert werden.
 
Die atopische (Haut-)Disposition geht mit einer anlagebedingt erhöhten Hautempfindlichkeit einher. Insbesondere durch irritative hautbelastende Tätigkeiten (z. B. Feuchtarbeit) kann ein atopisches Handekzem, häufig verbunden mit dem Auftreten kleinerer Bläschen an Handinnenflächen und Fingerseitenkanten, auftreten.
 
Oftmals sind atopische Handekzeme mit atopischen Fußekzemen sowie zum Teil auch mit genereller atopischer Dermatitis (z.B. mit Befall der großen Gelenkbeugen) vergesellschaftet. Typisch für das atopische Handekzem – in Abgrenzung zum kumulativ-subtoxischen oder allergischen Kontaktekzem – ist der chronische bzw. schubweise Verlauf – auch bei feststellbarer Arbeitsabhängigkeit .

Weitere Formen einer Berufsdermatose können berufsbedingte Typ-I-Allergien (Kontakturtikaria), eine beruflich irritativ verursachte Psoriasis vulgaris (der Hände), beruflich erworbene Hautinfektionen und auch in bestimmten Fällen Hautkrebs darstellen.

Tabelle 1: Häufige irritative Noxen bei Berufsdermatosen

Tabelle 2: Häufige Allergene bei Berufsdermatosen
 
Literatur:
 
Belsito DV. Occupational contact dermatitis: etiology, prevalence, and resultant impairment/disability. J Am Acad Dermatol 2005; 53:303-13. Abstract: http://amedeo.com/lit.php?id=16021126

Skudlik C, Schwanitz HJ. Berufsbedingte Handekzeme – Ätiologie und Prävention. Allergo J 2003; 12:513-20.

Skudlik C, Schwanitz HJ. Berufskrankheiten der Haut. Trauma Berufskrankh 2002; 4:151-62.